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14 Jahre, 5807 Geschichten: Was Improvisationstheater an Schulen bewegt

„Der Klassenzusammenhalt hat sich seit letztem Jahr enorm verbessert – das schiebe ich dem Impro zu.“

Das hat uns eine Deutschlehrerin der 8. Jahrgangsstufe einer Mittelschule erzählt, nachdem unsere Trainer*innen ein paar Wochen in ihrer Klasse waren. Klingt unspektakulär? Wer schon mal an einem Freitagnachmittag vor einer Mittelschulklasse stand, weiß: Das ist eine kleine Sensation. Solche Momente erleben wir oft. Die Szene, die plötzlich Schwung bekommt. Das Lachen, das eine Klasse zusammenschweißt. Den Augenblick, in dem jemand zum ersten Mal vor allen spricht und merkt, dass die Welt nicht untergeht. Zum Anfang des neuen Schuljahres wollen wir einen Schritt zurücktreten und auf das große Bild schauen.

Wo alles anfing: eine Schule in Haidhausen

2012 hatten vier Menschen eine Idee, die ziemlich einfach klang und ziemlich mutig war. Dr. Jürgen Peters, Rechtsanwalt mit Impro-Leidenschaft, und Roland Trescher, Theaterpädagoge, Regisseur und Schauspieler, gründeten gemeinsam mit Rechtsanwältin Janine Rösler und Schauspielerin Christina Schmiedel einen Verein. Das Ziel: Improvisationstheater dorthin bringen, wo klassische Bildungsangebote oft an ihre Grenzen stoßen.

Erste Station war die Mittelschule an der Wörthstraße in München-Haidhausen. Rund 90 Prozent der Schüler*innen dort haben eine Migrationsgeschichte. Viele Sprachen, viele Lebensrealitäten und viele gute Gründe, sich im Unterricht lieber unsichtbar zu machen.

Genau der richtige Ort, um herauszufinden, ob ein Spiel mehr kann als Spaß machen. Spoiler: Es kann.

5.807+ Schüler*innen. Und keine*r davon ist nur eine Zahl.

Seitdem haben wir mehr als 5.807 Kinder und Jugendliche trainiert, an 46 Schulen in München und Umgebung. Fast die Hälfte aller Münchner Mittelschulen war schon dabei. Dazu kommen Schulen in Holzkirchen, Fürstenfeldbruck und Puchheim.

Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch, der irgendwann vor der Gruppe stand. Ohne Text, ohne Plan, ohne Netz. Und der gemerkt hat: Ich kann das. Meine Idee zählt. Und wenn es schiefgeht, lachen wir zusammen und spielen einfach weiter.

Dieser Moment ist der Kern unserer Arbeit. Man kann ihn nicht auswendig lernen. Man muss ihn erleben.

Warum Impro wirkt, wo andere Methoden an Grenzen stoßen

Improvisationstheater hat ein paar Regeln, die im Schulalltag erstaunlich selten vorkommen:

  • Jede Idee zählt. Auf der Impro-Bühne gibt es kein Falsch. Wer ein Angebot macht, wird aufgefangen. Für Jugendliche, die im Unterricht oft hören, was sie nicht können, ist das eine völlig neue Erfahrung.
  • Fehler sind Material. Ein Versprecher wird zur Pointe, eine Panne zur nächsten Szene. Wer das ein paar Mal erlebt hat, traut sich mehr. Auch außerhalb des Klassenzimmers.
  • Sprache ohne Prüfungsangst. In Übergangsklassen arbeiten wir mit verbalen und nonverbalen Spielformen. Mitspielen geht mit Blick, Geste und Körper, lange bevor die Worte sitzen. Und die Worte kommen dann leichter.
  • Konflikte im Schutzraum. Im Spiel wechseln wir Perspektiven, handeln aus, finden gemeinsam Lösungen. Das baut Aggressionen ab und Zusammenhalt auf.

Unsere Deutschlehrerin der Mittelschule hat die Folgen so beschrieben: Deutlich sei jetzt, dass die eigene Initiative der Schüler*innen außerhalb von Impro, die Texte lieber vorzuspielen als vorzulesen. Sie würden weniger mit Externen fremdeln und mehr Selbstbewusstsein darin entwickeln, sich zu öffnen.

14 Jahre Erfahrung: Wir sind mitgewachsen

Seit 2012 improvisieren wir uns durch bayerische Klassenzimmer. Und weil Improvisation heißt, auf das zu reagieren, was gerade passiert, haben wir uns mit den Schulen weiterentwickelt. Ein paar Wegmarken:

  • 2018: Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe
  • 2021: Auszeichnung mit dem Bayerischen Integrationspreis
  • Schuljahr 2024/25: Start von „Das improvisierende Klassenzimmer“ an der Grund- und Mittelschule an der Rockefellerstraße. Impro ist dort fest im Deutschunterricht der Klassen 4, 6 und 8 verankert, offiziell bestätigt durch das Schulamt und gefördert von der G+D Stiftung. Lehrkräfte und Trainer*innen arbeiten im Tandem.
  • „Spielerisch kämpfen“: Impro, Bewegung und Kampfsport in einem Projekt. Ein Trainer*innen-Trio arbeitet mit den Jugendlichen an Selbstkontrolle, Fairness und einer Streitkultur auf Augenhöhe.
  • Eigene Weiterbildung zur Impro-Trainer*in: Die ersten Trainer*innen haben sie abgeschlossen.
  • Fortbildung für Lehrkräfte: damit Impro auch dann im Klassenzimmer bleibt, wenn wir gerade nicht da sind.

Und die wichtigste Lektion nach 14 Jahren? Man sollte immer mit einem Plan ins Klassenzimmer gehen. Und sich nicht wundern, wenn er nach drei Minuten Geschichte ist.

Wirkung, die man belegen kann

Lange war unsere Wirkung etwas, das wir gesehen, gehört und gespürt haben. In Rückmeldungen von Lehrkräften, in Klassen, die plötzlich zusammenhalten, in Jugendlichen, die beim Bewerbungstraining souverän auftreten. Das ist viel wert. Aber Förder*innen und Partner*innen wollen zu Recht mehr als ein gutes Bauchgefühl.

Deshalb lassen wir unsere Arbeit von der Ludwig-Maximilians-Universität München begleiten und evaluieren. Dr. Barbara Meyer (LMU) hat den Zusammenhang zwischen angewandter Improvisation und Demokratiebildung untersucht. Ihr Fazit: Die Förderung angewandter Improvisation an Schulen, wie Impro macht Schule sie betreibt, sei „eine der wirksamsten Formen von Demokratiebildung“.

Das überrascht uns ehrlich gesagt nicht. Demokratie beginnt nicht erst an der Wahlurne. Sie beginnt beim Zuhören, beim Aufgreifen fremder Ideen, beim Aushandeln und beim gemeinsamen Weiterdenken. Genau das passiert in jeder Impro-Szene. Jede Woche, in echten Klassenzimmern.

Werden Sie Teil davon!

14 Jahre sind ein guter Anfang. Zeit, mitzumachen! Es gibt noch viele Schulen, viele Klassen und viele Jugendliche, die darauf warten, dass ihnen endlich jemand zuhört. Als gemeinnütziger Verein können wir diesen Weg nur mit Unterstützung weitergehen.

Wir suchen:

  • Stiftungen, die Bildungsprojekte mit nachweisbarer Wirkung langfristig ermöglichen wollen
  • Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung konkret machen möchten, zum Beispiel über Berufsorientierung und Bewerbungstrainings für junge Menschen
  • Bildungspartner*innen wie Schulen, Träger und Kommunen, die Impro in ihren Alltag holen wollen
  • Menschen, die verstehen, dass Bildung mit Wirkung Unterstützung braucht

Ein großes Dankeschön an alle, die uns schon heute begleiten! Hier sind unsere Sponsoren.

Lust auf ein Gespräch? Schreiben Sie uns an info@impro-macht-schule.de oder rufen Sie an: +49 89 710 560 14.