
Roland Trescher
Es war einmal 1990. Ein kleiner Haufen Studierender der Theaterwissenschaft beschäftigte sich in einem Colloquium an der LMU mit einem damals noch völlig unbekannten Phänomen: Improtheater. Daraus entstand das erste Improtheater Ensemble in München – und ich gehöre seither zur Generation der Impro-Pioniere in Deutschland.
An der LMU habe ich sieben Jahre im Rahmen des Studienschwerpunkts „Spiel- und Theaterpädagogik“ - Improtheater gelehrt. Meine pädagogische Erfahrung mit Impro hat hier ihre Wurzeln. Einige dieser Theaterpädagoginnen sind später auch bei Impro macht Schule als Trainerinnen gelandet.
Ich kannte Jürgen Peters und seine Mitspieler von „Kuh auf Eis“ als Improtrainer. Immer wieder habe ich Kuh auf Eis trainiert und gecoacht. Als Jürgen mich fragte, ob ich dabei wäre, Improtheater an Münchner Mittelschulen zu etablieren, war seine Energie sofort ansteckend. Ich brachte pädagogische Konzepte, mein Netzwerk und meinen Ansatz mit: Impro von innen nach außen denken, statt Formate und Regeln zu lehren. Die ersten Trainer*innen lernten Impro in meinen Workshops und Seminaren – und ich bin bis heute stolz darauf, was aus diesen Anfängen gewachsen ist.
Als Theaterpädagoge erkannte ich sehr schnell das Potenzial von Improtheater außerhalb der Bühne. Denn Impro trainiert Future Skills, die wir heute mehr denn je brauchen, um in einer komplexen Welt miteinander zurechtzukommen. Mehr Sicherheit in unsicheren Situationen – gemeinsam, humorvoll, menschlich.
Ich zog 2014 nach Berlin und war deshalb nie als Trainer für Impro macht Schule an den Schulen tätig. Meine Aufgabe war immer den TrainerInnen beratend und unterstützend zu Seite zu stehen. Mein Improtheater Ansatz unterscheidet sich in vielen Bereichen von Mainstream Impro Traditionen: Für mich steht immer die Stärkung der Persönlichkeit, die Förderung der individuellen Kreativität im Zentrum. Impro von Innen nach Aussen - statt Regeln und Formate. In späteren Fortbildungen der TrainerInnen konnte ich Erkenntnisse und Aspekte aus der Positiven Psychologie und Coaching integrieren.
Was mich bis heute bewegt? Ein Bild aus einer der ersten Werkstattpräsentationen im Einstein Kultur: stille, unscheinbare Schüler*innen, die plötzlich so Gas gegeben haben, dass sie selbst über sich überrascht waren. Dieses Leuchten in den Augen – dafür machen wir das alles.
Ich bin megastolz auf dieses wundervolle Team. Auf jeden einzelnen Menschen, der dieses Projekt trägt und wachsen lässt.