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Lebensfreude – pur und improvisiert – Kathrin Perone über Spiel, Spannung und echtes Miteinander

Kathrin Perone ist Theaterpädagogin, Schauspielerin, Impro-Trainerin – und vor allem eine, die weiß, was es bedeutet, Kindern Mut zu machen. Seit über zehn Jahren bringt sie bei Impro macht Schule ihre Erfahrung, Leidenschaft und Spielfreude in Grund- und Mittelschulen. Was sie antreibt? Kinder zum Leuchten zu bringen, Teamwork mit Humor zu leben und Räume zu öffnen, in denen echtes Wachstum möglich ist. Warum sie Impro auch bei der Kindererziehung hilft und was „TIER“ mit Schulunterricht zu tun hat, erzählt sie in ihrem sehr persönlichen Porträt.

Wer bist du und warum Impro?

Ich bin Theaterpädagogin, Schauspielerin, Theaterwissenschaftlerin, Impro-Trainerin und -Spielerin, zweifache Mama, Ehefrau… und keine Ahnung, was noch alles. Zum Improtheater kam ich durch einen sehr prägenden Lehrer an meiner Schauspielschule: Roland Trescher. Er hat die Liebe zum Impro in mir entfacht und mich später auch zu Impro macht Schule gebracht. Zurückblickend kann ich sagen, dass Improvisation der Teil meiner Schauspielausbildung war, von dem ich am meisten profitiert habe, künstlerisch, beruflich aber auch im Bezug auf Persönlichkeitsentwicklung.

Was bedeutet Impro für dich – persönlich und im Schulkontext?

Fast alles, was ich heute beruflich mache, hat mit Improvisation zu tun. Aber auch im Privaten, und sogar bei der Kindererziehung kann Impro hilfreich sein. Wer improvisiert, lernt flexibel mit Unvorhersehbarem umzugehen, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und mit Humor auf die Welt zu blicken, die Wünsche und Ideen anderer wahrzunehmen und wertzuschätzen und vor allem richtig gutes Teamwork. Diese Eigenschaften helfen mir jeden Tag. Bei Schüler*innen, die schon länger Impro spielen, beobachte ich, dass sie selbstbewusster und kooperationsfähiger werden.

Was machst du bei Impro macht Schule – und wie erlebst du deine Arbeit?

Ich arbeite schon seit über 10 Jahren für Impro macht Schule und habe schon alle Altersklassen und viele verschiedene Formate unterrichtet. Momentan bin ich an der Grundschule, in der 4. Klasse, und begleite die Kinder in ihren Übertrittsjahr. Außerdem gebe ich Workshops an den Impro-Schultheatertagen. Besondere Momente gab es viele: Eine eigene Version von Romeo und Julia, die meine Mittelschulklasse aus Improvisationen entwickelt und geschrieben hatte, ein Improkrimi, den wir verfilmt haben, oder jeder Dienstagvormittag im letzten Jahr, an dem ich freudig mit Umarmungen von meinen Viertklässlern empfangen wurde.

Impro ist für mich …

… Lebensfreude!

Was lernen die Schüler*innen durch Impro – und was du selbst?

Die Schüler*innen (und ich selbst) lernen beweglich in Kopf, Körper und Seele zu bleiben. Wir lernen gut zuzuhören, Empathie für andere zu entwickeln, uns selbst nicht zu ernst, aber die Arbeit für ein gemeinsames Ziel sehr ernst zu nehmen, uns jeden Tag wieder neu herauszufordern, Schwierigkeiten und Rückschlägen resilient zu begegnen und nicht aufzugeben. Überraschend ist immer wieder wie anfangs schüchterne Schüler*innen nach kurzer Zeit aufblühen, und andere (ich sage jetzt mal „Alphatierchen“) anfangen, rücksichtsvoller zu werden und mal die Perspektive wechseln. Und allgemein, wie Impro (und ich) es immer wieder schaffen, anfangs manchmal ablehnend blickende, skeptische oder sogar schlecht gelaunte Kids zum Lachen zu bringen und dazu, sich zu öffnen und etwas Neues auszuprobieren.

Drei Worte, die deine Impro-Arbeit beschreiben:

Spiel, Spaß und Spannung

Wenn Impro ein Schulfach wäre, wie würde es heißen?

Ich finde den Namen Improvisation eigentlich schon ganz passend. Ansonsten vielleicht „TIER“, das steht für: Teamwork, Impro, Empathie, Resilienz!

Beinhalten sollte es alles, was wir bei Impro macht Schule in unseren Kursen haben: Vertrauensübungen, Körperarbeit, Tanz, Bewegung, Stimmbildung, Bodypercussion, Musik, Poetry-Slam, Präsentationstechniken und Auftrittsskills, aber auch Zeit für Gespräche und Fragen.

Unterrichten sollten es Menschen, die sowohl künstlerisch wie pädagogisch sehr gut ausgebildet sind, sich im System Schule auskennen und ihren Teil dazu beitragen, bzw. verändern möchten, und die wirklich gerne mit kleinen und größeren Menschen arbeiten. Und belastbar, stressresistent und resilient sollten sie auch sein. Also: Ganz einfach zu finden!

Was inspiriert dich (außer Impro)?

Bücher: Der Roman Unsichtbar hat mich zuletzt richtig gepackt. Sehr gut geschrieben und die Lehrerin, die im Buch vorkommt, ist eine insprierende Persönlichkeit. Musik: Viel italienische Rock und Rapmusik, oder Singer/Songwriter, wegen des italienischen Teils meiner Familie. Aber auch Danger Dan, Sportfreunde Stiller, Fanta 4, die Ärzte, Eminem, Zaz, Leonhard Cohen… eine wilde Mischung.

Menschen, die mutig sind, ihre Meinung vertreten und auch mal gegen den Strom schwimmen inspririeren mich. Und Rituale… ich bin ein Familienmensch: Ich liebe kitschige Weihnachten, große Familienfeiern oder am Tag des ersten Dates mit meinem Mann jedes Mal wieder ins gleiche Kino wie damals zu gehen. Alles, was einen die Verbindung zu Menschen, die man liebt, spüren lässt, und einen gleichzeitig daran erinnert, dass die Zeit vergeht und nichts ewig dauert, und man sie deshalb nutzen sollte.