Geboren im bayerischen Grüneck, zu Hause in der Welt: Sarah Hübner bringt den Blick aus mehreren Kulturen mit auf die Schulbühne – und nutzt Improvisation, um Schüler*innen zum Strahlen zu bringen. Ob in festen Kursen oder spontanen Vertretungen, ob mit Spielen, Storytelling oder Forumtheater – sie schafft Räume, in denen sich junge Menschen neu erleben. Was sie antreibt, warum „Fehler“ für sie oft der Anfang von etwas Großartigem sind und was Lehrer*innen regelmäßig zum Staunen bringt, erzählt sie in ihrem Interview.
Wer bist du und warum Impro?
Ich komme aus dem kleinen bayerischen Dorf Grüneck bei Neufahrn bei Freising. Dort wurde ich wegen meiner britischen Mutter und meinem zugereisten deutschen Vater immer als „Saupreis“ gesehen. Außerdem komme ich aus aus all den Orten, wo ich eine zeitlang gelebt habe: Also Orte in Deutschland, England, den USA und China. All diese Orte sind ein Teil von mir.
Impro habe ich zuerst in der amerikanischen Highschool kennengelernt, wo wir im Theaterunterricht oft Impro-Spiele wie „Freeze“ gespielt haben. Später stolperte ich in meinen Theater- und Schauspielausbildungen immer wieder darüber. Oft war Impro für mich mit Druck verbunden, vielleicht auch selbstgemacht. Richtig gezündet hat es erst, als mich eine Kollegin überredete, mit ihr eine englische Impro-Gruppe zu gründen. Daraus entstand später „Bake This“. Mit großartigen Trainerinnen und Trainern habe ich dort die Kunst des freudvollen Scheiterns kennengelernt und wie schön und wichtig es ist, immer wieder freudig aufzustehen.
Mich begeistert an Impro die Freiheit und das Nichtwissen. Das Entstehen im Moment, das Spielen mit anderen, die Verbindung, die dabei entsteht. Der Fantasie freien Lauf zu lassen, Neues zu entdecken, Alltagssituationen und Menschen aus einem anderen Blickwinkel zu erleben. Die Großzügigkeit und das Inklusive. Und vor allem das Im-Jetzt-Sein mit anderen.
Was bedeutet Impro für dich – persönlich und im Schulkontext?
Impro ist für mich eine Lebenseinstellung und eine Haltung. Sie hilft mir, offen und flexibel zu bleiben, besser zuzuhören, anderen wirklich zugewandt zu sein. Sie lehrt mich, Ungewissheit auszuhalten, Entscheidungen zu treffen und Storytelling noch mehr zu schätzen und zu lieben. Im Schulkontext bedeutet Impro für mich, mit Schüler*innen in echten Kontakt zu treten. Sie darin zu unterstützen, sich selbst und andere besser kennenzulernen und besser zusammenzuarbeiten. Ihnen die Möglichkeit zu geben, mutig über sich hinauszuwachsen, zu spielen und Dinge zu tun, die sie sich vorher nicht zugetraut hätten.
Was machst du bei Impro macht Schule – und wie erlebst du deine Arbeit?
Ich bin Trainerin und habe meistens einen festen Kurs, begleite Projekte und vertrete auch sehr gerne. Die Formate, die ich begleite, sind klassisches Improtheater (meistens Kurzform mit Spielen und Storytelling), Forumtheater und „Devised Theater“. Dabei entwickeln wir mit den Schüler*innen im Prozess Stücke zu ihren eigenen Themen und Geschichten. Ein Satz, den ich von Lehrer*innen ganz oft höre, wenn sie ihre Schüler beim Theaterspielen sehen: „Wow, die Schülerin oder den Schüler habe ich noch nie so erlebt. Wahnsinn, wie toll er oder sie das macht. Sonst ist er/sie so schüchtern/störend/ abgelenkt.“ Solche Momente zeigen mir immer wieder, wie wichtig unsere Arbeit ist und dass sie wirklich bewegt.
Impro ist für mich …
… spielerisch zwischen Menschen Brücken zu bauen.
Was lernen die Schüler*innen durch Impro – und was du selbst?
Die Schüler*innen lernen, spontaner und mutiger zu sein, sich selbst besser zu zeigen und anderen zuzuhören. Sie erfahren, dass Fehler keine Katastrophen sind, sondern oft der Anfang von etwas richtig Gutem. Sie üben Zusammenarbeit, Empathie, Kreativität. Dabei merken dabei sie, dass sie viel mehr können, als sie dachten.
Ich selbst lerne jedes Mal mit. Impro erinnert mich daran, flexibel zu bleiben, neugierig zu sein und die Dinge nicht zu ernst zu nehmen. Und es überrascht mich immer wieder, wie sehr Schüler*innen aufblühen, wenn sie plötzlich auf der Bühne stehen. Da kommen Seiten zum Vorschein, die sie selbst and andere noch nie gesehen haben. Genau diese Momente machen die Arbeit so besonders.
Drei Worte, die deine Impro-Arbeit beschreiben:
Spielfreude – Offenheit – Präsenz
Wenn Impro ein Schulfach wäre, würde es…
… „Life Skills – die Grundlagen für’s Miteinander“ heißen.
Was inspiriert dich (außer Impro)?
Reisen, um neue Orte zu erkunden und an spannenden Projekten teilzunehmen, Basketball spielen, Gesellschaftsspiele spielen, in Romane eintauchen, über große und kleine Themen philosophieren und liebe Menschen an meiner Seite haben.
