Improvisation ist für Patricia Flür nicht einfach eine Methode – es ist eine Lebenshaltung. Vom klassischen Klavierunterricht zur kreativen Wundertüte hat sie sich freigespielt: mit Musik, mit Theater, mit ganzem Herzen. Heute inspiriert sie als Impro-Trainerin Kinder und Jugendliche dazu, ihre eigene Stimme zu finden – leise, laut, schrill, mutig. Was passiert, wenn ein selbst geschriebener Monolog plötzlich den Raum still werden lässt? Und warum echtes Sein wichtiger ist als perfektes Sagen – darüber spricht Patricia in ihrem sehr persönlichen Interview.
Wer bist du und warum Impro?
Woher ich komme? Aus einem klassischen Elternhaus, klassische Schulbildung, klassisches Klavier gespielt und ich habe immer den Drang verspürt, andere Wege zu gehen, die Grenzen neu zu definieren. Eine meiner ersten Schallplatten waren Pop-Arrangments von klassischer Musik – das hat mich begeistert. Später habe ich über den Musikunterricht den Musiker Franek Wunderer kennengelernt, der nicht den klassischen Unterricht anbot, sondern Improvisation. Und es war um mich geschehen, weil ich das nicht nur musikalisch sehr inspirierend fand, sondern mir dachte: „Was für ein Schatz für die Kinder, die das mit der Muttermilch aufsaugen.“ Eigene Ideen entwickeln, Freiheit im Kopf, Selbstvertrauen, Spaß. Ich beschloß alle meine Noten wegzusperren und spiele seither nur noch das, was mir in den Sinn kommt am Klavier. Zu etwa derselben Zeit lernte ich über eine Kindergartenmama Improtheater kennen und mir war sofort klar: Das will auch! Auch wenn es noch ein paar Jahre dauerte, bis ich mich getraut habe. Mich fasziniert das „ImMomentSein, die Spontanität, das Scheitern, das Kreative, das immer wieder Neue, was mich – glaube ich – freier und flexibler in meinem Leben gemacht hat.
Was bedeutet Impro für dich – persönlich und im Schulkontext?
Diese Frage habe ich ja weitgehend schon in der vorherigen Frage für mich persönlich beantwortet. Bei den Schülern und Schülerinnen beobachte ich über die Zeit mehr Mut, mehr Ehrlichkeit, mehr Selbstreflexion, mehr Selbstvertrauen.
Was machst du bei Impro macht Schule – und wie erlebst du deine Arbeit?
Es gab im letzen Jahr einen Moment, der mich sehr bewegt hat. Ich durfte mit einem jungen Mädchen einen Monolog erarbeiten für die Julia aus Romeo & Julia. Dem Mädchen fiel es zu Beginn recht schwer, ihre Emotionen in Worte zu fassen. Also arbeiteten wir uns von einem Monolog, der eher wie eine Gebrauchsanweisung klang über verschiedene Ansätze zu einem sehr authentischen Monolog vor und in dem Moment, als sie wirklich sie war, authentisch zu 100 %, da wurde es im Publikum still, kein Gelächter, keine blöden Sprüche, Stille. Und das ist, was ich liebe, denn ich glaube, das ist, was wir brauchen: berührt werden durch Authentizität, Echtsein, Masken fallen lassen, sein dürfen wie wir sind.
Impro ist für mich …
… eine Reise in eine andere Welt, die immer wieder neu erschaffen wird und in der man sich selbst immer wieder neu entdeckt.
Was lernen die Schüler*innen durch Impro – und was du selbst?
„ich kann und ich darf.“, Selbstvertrauen, Entdecken meiner Ressourcen und Fähigkeiten, Kreativität, neue Wege denken und laufen, mein Gegenüber wahrnehmen, Raum lassen, Respekt, Grenzen stecken oder einreissen, Selbstregulation
Drei Worte, die deine Impro-Arbeit beschreiben:
Power, Authentizität, Sein dürfen
Wenn Impro ein Schulfach wäre, würde es…
Wundertüte heißen, alle möglichen Formen von Impro beinhalten (Musik, Trommeln, Clownerie, Klassisches Impro, Tanz) und unterrichten würden es Menschen, die Kinder und Jugendliche lieben.
Was inspiriert dich (außer Impro)?
Musik hören und/oder selber machen, Malen, Ruhe, Natur, Menschen beobachten, Spazieren gehen, Schwimmen
