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Das Gute gewinnt – Notizen aus einer Impro-AG, die ihre Spielfreude gefunden hat

Wenn Jugendliche in den Pausen freiwillig ihr nächstes Theaterstück planen und der „schwierigste“ Junge plötzlich strahlt, dann ist etwas passiert. Einblicke in eine Impro-AG, in der aus Zögern Spielfreude wurde.

Die Impro-AG an der Fürstenrieder

Seien wir ehrlich: Gegen eine Schwimm-Schwimm AG anzutreten, wo stattdessen oft Fußball gespielt wird, ist kein leichtes Los. In der ersten Jahreshälfte klang „ins Wasser springen“ oder „aufs Tor schießen“ für viele Schüler*innen einfach verlockender als „auf eine fast leere Bühne treten und schauen, was passiert“. Die Anfänge unserer Impro-AG waren entsprechend zäh, berichtet unsere Trainerin Sarah Hübner.

Und dann? Dann kippte etwas. Langsam, fast unbemerkt – bis es auf einmal nicht mehr zu übersehen war.

Heute inszeniert die Gruppe Woche für Woche neue Stücke. Sie taucht in fremde Welten ein, erfindet Figuren, dreht Geschichten auf links und wieder zurück. Aus einem zögerlichen „Müssen wir wirklich?“ ist ein neugieriges „Sind wir schon dran?“ geworden.

Am schönsten lässt sich dieser Wandel an den kleinen Momenten ablesen:

  • Drei Mädchen planen inzwischen schon unter der Woche in den Pausen ihr nächstes Stück. Impro ist bei ihnen aus der AG-Stunde herausgewachsen und mitten in den Schulalltag gewandert.
  • Ein Junge, der lange als der schwierigste Part der Gruppe galt, hat sich diese Woche von der ersten bis zur letzten Minute positiv eingebracht. Wer mit Jugendlichen arbeitet, weiß, was für ein großer Satz das eigentlich ist.
  • Und eine Gruppe hat ihrem Stück zum ersten Mal einen rundum positiven Titel gegeben: „Das Gute gewinnt.“

Das Gute gewinnt

Bei diesem Titel sind wir kurz hängengeblieben. Denn das Thema Gewalt spielt in den Geschichten der Gruppe nach wie vor häufig eine zentrale Rolle.

Und genau hier zeigt sich, warum Improvisationstheater mehr ist als ein kreatives Hobby. Die Bühne wird zum sicheren Raum, in dem sich erproben lässt, was im Alltag schwer in Worte zu fassen ist. Konflikte dürfen gespielt, gedreht und neu erzählt werden – ohne dass jemand zu Schaden kommt. Dass eine Gruppe nun von sich aus beschließt, das Gute gewinnen zu lassen, ist deshalb mehr als ein hübscher Titel. Es ist eine Entscheidung. Und vielleicht ein erster, kleiner Probelauf für das echte Leben.

Dass rund um die AG nach und nach etwas Gemeinsames entsteht, merkt man auch an denen, die ganz freiwillig dazukommen:

  • Eine Achtklässlerin ist regelmäßig als Assistentin dabei – einfach, weil sie die Klasse mag und das Mitmachen liebt.
  • Und zwei weitere Lehrkräfte schauen mittlerweile immer mal wieder zum zweiten Teil der AG vorbei, um die Inszenierungen ihrer Schüler*innen live zu erleben.

Genau so sieht sie aus, die „Bühne des Lebens“, von der wir so gern sprechen: Sie beginnt nicht mit dem großen Applaus, sondern mit einer Gruppe, die irgendwann lieber spielt als zuschaut. Und mit dem leisen, mutigen Beschluss, dass am Ende das Gute gewinnt.

Danke an Sarah Hübner für diese Einblicke – und an eine AG, die zeigt, was möglich ist, wenn man dranbleibt.