Ob als Schauspielerin, Moderatorin oder Impro-Trainerin – Tina Münch bewegt sich seit ihrer Jugend mit Neugier und Offenheit zwischen Bühne und Bildung. Bei Impro macht Schule begleitet sie Schulklassen mit einem reichen Erfahrungsschatz und noch mehr Herz. Warum Impro für sie wie Fliegen ist, was sie von ihren Schüler*innen über Fantasie und Teamgeist lernt – und wieso jede Klasse ihre ganz eigene Dynamik entfaltet, erzählt sie in ihrem persönlichen Interview.

Wer bist du und warum Impro?
Schon seit der Kindheit schlägt mein Herz für die Bühne und für das Theater. Das Improtheater lernte ich bereits als Jugendliche mit 16 Jahren kennen. Nach dem Abitur moderierte ich für zwei Jahre die Kindersendung MausClub in der ARD und dem WDR und studierte danach Schauspiel in New York am Lee Strassberg Theatre Insitute. Ich spielte am Cuvilliètheater in München und trete seit mehreren Jahren mit meinen Improvisationsgruppe in München und Umgebung auf. Auch hat mich das Theater wieder in seinen Bann gezogen und ich spiele an der Neuen Bühne Bruck in FFB und arbeite als Regisseurin in Mittelneufnach am Theater. Durch die Gründung und Leitung einer Ausbildungsakademie im Bereich Sport, die jährlich ca. 3.000 Trainer in der B- und A-Lizenz ausbildete, bin ich erfahren in Bildung, Weiterbildung und im Unternehmertum. Seit 2019 Arbeite ich für den Verein Impro macht Schule e.V. als Theater- & Impropädagogin im Großraum München mit Kindern und Jugendlichen.

Was bedeutet Impro für dich – persönlich und im Schulkontext?
Impro ist für mich Lebendigkeit pur. Wenn ich improvisiere, fühle ich mich frei, neugierig und ganz im Moment. Es ist ein bisschen wie fliegen: Ich weiß nicht genau, wohin die Reise geht, aber ich vertraue darauf, dass etwas Schönes entsteht – aus mir selbst und im Zusammenspiel mit anderen. Dieses Gefühl möchte ich auch meinen Schüler*innen vermitteln. Sich frei zu fühlen. Sich richtig zu fühlen. Spaß zu haben. Sie lernen, sich auszuprobieren, eigene Ideen einzubringen und gleichzeitig auf andere einzugehen.
Wie wirkt Improvisation auf mich selbst? Impro erinnert mich immer wieder daran, loszulassen und offen zu bleiben – für Menschen, Situationen, Überraschungen. Es macht mich mutiger, weicher und gleichzeitig wacher.
Bei den Kindern und Jugendlichen erlebe ich oft kleine Wunder: Da steht plötzlich ein sonst stilles Mädchen lachend und voller Fantasie im Mittelpunkt. Oder ein Junge, der sonst viel Raum einnimmt, entdeckt, wie schön es ist, den anderen zuzuhören und sie glänzen zu lassen. Impro öffnet Türen – zu Mut, zu Selbstvertrauen, zu einem liebevolleren Miteinander. Es ist für mich jedes Mal berührend zu sehen, wie aus einer Schulklasse Schritt für Schritt eine lebendige, kreative Gemeinschaft wird.

Was machst du bei Impro macht Schule – und wie erlebst du deine Arbeit?
Bei Impro macht Schule arbeite ich als Theater- und Impropädagogin mit Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Schulformen im Großraum München. Ich begleite Projekte, die von wöchentlichen Kursen mit Anbindung an den Deutschunterricht, über Blocktage bis hin zu intensiven Projektwochen reichen. Mal geht es um Impro-Basics, mal um die Klassengemeinschaft, mal um Themen aus dem Deutschunterricht, die wir spielerisch aufgreifen und lebendig werden lassen. Ich erlebe meine Arbeit als unglaublich bereichernd. Jede Klasse ist anders – und jedes Mal entsteht aus dem gemeinsamen Spielen eine ganz eigene Dynamik. Was mich begeistert: zu sehen, wie Kinder und Jugendliche wachsen, wenn sie merken, dass ihre Ideen wertvoll sind und sie in der Gruppe Resonanz bekommen.
Ich arbeite viel mit Impro-Basics, Erzählen und Geschichten erfinden, mit Übungen für Teamgeist, Zuhören und den anderen Verstehen. Ich mag es, die Kinder spielerisch auf „die Welt“ vorzubereiten und sie dafür zu stärken. Manche Projekte enden in kleinen Werkshows, Filmen oder Szenencollagen, manchmal geht es aber einfach „nur“ darum, die Einzelnen Kinder oder die Klassengemeinschaft zu stärken und neue positive Erfahrungen zu sammeln.

Impro ist für mich …
… Lebendigkeit – ein Raum, in dem Fantasie, Spielfreude und Vertrauen miteinander tanzen.

Was lernen die Schüler*innen durch Impro – und was du selbst?
Die Schüler*innen lernen durch Impro unglaublich viel fürs Leben: Sie werden mutiger, sich vor anderen zu zeigen, sie üben Teamgeist, lernen zuzuhören und spontan aufeinander einzugehen. Sie erleben, dass Fehler nicht schlimm sind, sondern oft sogar die lustigsten und kreativsten Momente hervorbringen. Viele entdecken dabei ganz neue Seiten an sich selbst – Fantasie, Humor, Empathie – und spüren, wie wertvoll sie für die Gruppe sind.
Auch ich lerne in jedem Projekt neu dazu. Die Kinder erinnern mich daran, wie befreiend es ist, mit Neugierde und Spielfreude ins Unbekannte zu gehen. Sie überraschen mich oft mit einer Leichtigkeit und Kreativität, die ich mir von ihnen abschauen darf. Impro hält mich wach, flexibel und neugierig.
Die schönsten Überraschungen sind die kleinen Wunder im Klassenzimmer: Ein Schüler, der sonst kaum spricht, erfindet plötzlich eine ganze Geschichte. Eine Klasse, die anfangs total gespalten war, wächst in einer Impro-Szene zu einem Team zusammen. Oder ein vermeintlich „schwieriger“ Schüler bringt mit einer einzigen Idee die ganze Gruppe zum Lachen

Drei Worte, die deine Impro-Arbeit beschreiben:
lebendig – spielerisch – mutig
Wenn Impro ein Schulfach wäre, würde es…
… „Kreativität & Miteinander“ heißen – oder vielleicht einfach „Mutfach“. Es würde beinhalten, was im Alltag oft zu kurz kommt: Zuhören, Fantasie, Ausprobieren, Humor, Teamgeist und die Freude daran, Fehler als Geschenk zu sehen. Neben Theaterspielen gäbe es Übungen für Spontaneität, Geschichtenerzählen, Bewegung und natürlich viel gemeinsames Lachen. Unterrichten würden es Menschen, die Lust haben, mit Kindern spielerisch auf Entdeckungsreise zu gehen – Theaterpädagoginnen, Improspielerinnen, aber auch Lehrer*innen, die Freude daran haben, Lernräume lebendig und kreativ zu gestalten.

Was inspiriert dich (außer Impro)?
Mich inspiriert vieles im Alltag – kleine Momente genauso wie große Erlebnisse. Ich liebe Hörbücher, vielleicht auch, weil mir schon mein Papa bis ins Grundschulalter jeden Abend vorgelesen hat. Später war ich ein richtiger TKKG- und ???-Junky – Geschichten haben mich also schon immer begleitet. Sehr inspirierend sind für mich auch Spaziergänge mit meinem Hund. Manchmal mit Hörbuch oder Musik, manchmal aber auch einfach in Stille – nur gehen, atmen, nachdenken. Und dann ist da noch das Zeichnen und Malen. Wenn ich meine Gedanken in Bildern ordne, bekomme ich oft neue Ideen und Klarheit. Das ist für mich wie ein zweiter kreativer Spielplatz neben dem Impro.
