Wenn Montserrat Martinez Reyes Improvisation unterrichtet, dann tanzt das Leben mit. Die gebürtige Mexikanerin bringt Bewegung in Körper, Köpfe und Klassenzimmer – mit Leidenschaft für Tanz, Sprache, Rhythmus und die Vielfalt menschlicher Ausdrucksformen. Was sie an ihren Schüler*innen liebt, warum Pizza nach der Aufführung auch Impro ist und wie man durch Tanz zur Achtsamkeit findet, erzählt Montserrat in ihrem sehr persönlichen Porträt.
Wer bist du und warum Impro?
Ich bin eine migrierte Künstlerin. Tänzerin zu dem Rhythmus, den mir das Leben vorgibt.
Ich komme aus Mexiko, aus einer Stadt mit einem Hafen, wo das Meer und der Fluss zusammenkommen, wo man Kokosnuss isst und Huapango tanzt. Was hat mich zur Improvisation gebracht? Die Suche nach neuen Möglichkeiten und Erfahrungen der Kommunikation, durch spontanere und dynamischere Formen. Mich begeistert daran die menschliche Interaktion durch Bewegung, Tanz und Genuss. Dass Menschen Freude am Bewegen finden.
Was bedeutet Impro für dich – persönlich und im Schulkontext?
Für mich bedeutet Improvisieren, mich kreativ an eine Situation anzupassen. Im schulischen Kontext bedeutet Improvisation für mich die Möglichkeit, meine pädagogischen Techniken je nach den Fähigkeiten und Neurodiversitäten der Teilnehmenden flexibel anzupassen. Improvisation zeigt, dass wir alle fähig sind, neue Ideen zu haben. Ich beobachte bei den Schüler*innen, dass es sie, wenn sie sich erlauben zu spielen, zu experimentieren, zu gewinnen oder zu verlieren, ständig mit ihren Emotionen konfrontiert und dazu bringt, darauf zu improvisieren. Es ermöglicht ihnen, Werkzeuge für Akzeptanz, Kreativität und den Umgang mit Frustration zu erwerben.
Was machst du bei Impro macht Schule – und wie erlebst du deine Arbeit?
Ich bin Trainerin und lebe motiviert und herausgefordert durch die Aufgaben, denen ich in jeder Gruppe begegne. Es ist sehr bereichernd, mit einem offenen und unterstützenden Team zu arbeiten. Trainerin einzeln und im Tandem.
Am Ende der Aufführung der Impro-Werschau kam eine Schülerin zu mir und erzählte mir, dass es für sie ein sehr aufregender Tag gewesen sei: „Mir haben die Stücke, die Musik und unsere Choreografie gefallen, und die Pizza hat mir auch sehr gut geschmeckt. Danke, dass du uns mitgenommen hast.“ Sie hatte ein großes Lächeln im Gesicht und kam auf mich zu, um mich fest zu umarmen.
Impro ist für mich …
… unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen auf kreative Weise miteinander zu verbinden.
Was lernen die Schüler*innen durch Impro – und was du selbst?
Dass wir im Leben ständig improvisieren, und dass wir das sind, was wir sind, weil wir uns vor den Entscheidungen, die wir durch Improvisation treffen, so verhalten. Ich lerne, dass jeder Tag eine neue Gelegenheit ist, zu improvisieren. Toleranz, Akzeptanz und Kreativität
Drei Worte, die deine Impro-Arbeit beschreiben:
Bewegung – Beobachtung – Vergnügen
Wenn Impro ein Schulfach wäre, würde es…
… „Spiel & Bewegung“ heißen. Es gäbe Übungen zur Spontaneität, Körpersprache und Kreativität. Spiele, die Kooperation, Zuhören und Vertrauen fördern, sowie Bewegung, Tanz und Rhythmus, um den eigenen Ausdruck zu finden. Unterrichten würden das Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen: Künstler*innen, Tänzer*innen, Theaterpädagog*innen, vielleicht auch Psycholog*innen oder Lehrkräfte, die Freude an kreativer Arbeit haben.
Was inspiriert dich (außer Impro)?
Perkussionsinstrumente für die Meditation. Unterricht in anderen Disziplinen, z. B. Karate.
