Zum Inhalt springen
Startseite » Aktuelles » “Lass’ mal respektvoll sein!”

“Lass’ mal respektvoll sein!”

Improvisationstheater ist nicht nur eine Kunstform, sondern auch ein kraftvolles Werkzeug, um wichtige Werte wie Respekt, Zusammenarbeit und Kreativität zu fördern. Diese Werte stehen im Mittelpunkt unserer Jahresbegleitung in Schulen. An der Willy-Brandt-Gesamtschule leiten unsere Trainer*innen Tina und Tom dieses Schuljahr 23/24 immer dienstags eine Doppelstunde am Nachmittag. Einen Einblick gibt es in diesem Blogbeitrag.

Wünsch-dir-was-Stunde

Heute ist die letzte Stunde vor den Pfingstferien, es ist heiß, die Jugendlichen wollen hitzefrei. Ein Coldpack, das bei einem Schüler eigentlich eine kleine Prellung kühlen sollte, wird bald herumgeworfen, um sich reihum etwas Abkühlung zu verschaffen. Während einige Teenies im großen Sitzsack neben der Tür fletzen und zu Beginn der Stunde etwas träge sind, schaut eine Schülerin ebenso unbeteiligt aus dem Fenster. Vielleicht liegt es daran, dass die coolen Jungs unten im Hof gerade Fußball spielen…

Als die Tische an die Wände gerückt und endlich alle Schüler*innen beisammen sind, erklärt Tina zu Beginn der Stunde, dass heute eine “Wünsch-dir-was-Stunde” sei. Die Schülerinnen und Schüler dürfen Spiele vorschlagen, was die Partizipation und Eigenverantwortung der Kinder stärkt. Das erste Spiel, das auf der Wunschliste steht, ist “Zombie”. In diesem Spiel erhalten alle einen Stuhl, den er oder sie irgendwo im Raum aufstellt und sich drauf setzt. Ein Schüler, der keinen Stuhl hat, spielt den Zombie und muss versuchen, den einen freien Platz zu erreichen. Die Jugendlichen, die am weitesten vom freien Platz entfernt sind, müssen rechtzeitig aufstehen und dem Zombie zuvorkommen, um sich auf den Stuhl zu setzen. Somit wird ein anderer Stuhl im Raum frei und der Zombie dreht um. Die Verteilung der leeren Stühle und die Interaktionen der Schüler*innen wechseln also ständig. Gelingt es mal nicht, dem Zombie davonzulaufen, wird die Person zum Zombie, die den Stuhl nicht rechtzeitig erreicht hat. Und gelingt länger mal nichts, ist das kein Problem. Tina fragt dann: “Was wäre jetzt gut gewesen?” Die Kinder analysieren gemeinsam die Situation und machen Vorschläge für Verbesserungen. Dieses Spiel fördert nicht nur die körperliche Bewegung, sondern auch die Reaktionsfähigkeit und die Fähigkeit zur Reflexion und konstruktiven Kritik – alles in einem respektvollen und unterstützenden Umfeld.

Nach diesem Spiel gibt es eine neue Abstimmungsrunde. Das nächste Spiel, das gewählt wird, ist ein “Stühle-Tauschspiel”. Hierbei geben sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig ein Zeichen zum Tausch ihrer Plätze. Dieses Spiel fördert die nonverbale Kommunikation und das Einfühlungsvermögen, da die Kinder lernen, auf subtile Signale zu achten und zu reagieren.

Das dritte Spiel ist “Nachts im Museum”. Zwei Schüler verlassen den Raum, während die anderen sich als Skulpturen im Klassenzimmer verteilen. Die beiden kommen als Museumsbesucher wieder rein, betrachten die Exponate und verlassen die Ausstellung dann wieder. “Über Nacht” verändern zwei Exponate minimal ihre Position. Als die Museumsbesucher zurück kommen, müssen sie herausfinden, was sich verändert hat. Dieses Spiel trainiert die Beobachtungsgabe und das Gedächtnis der Kinder. Es macht deutlich, wie wichtig Aufmerksamkeit und Detailtreue sind und auch, wie schwierig es für die anderen sein kann, mehrere Minuten am Stück vollkommen regungslos zu bleiben.

“Lass’ mal respektvoll sein!”, ruft ein Schüler aus, als andere Tina ins Wort fallen.

Die gesamte Stunde ist geprägt von der hibbeligen Ferien-Vorfreude und gleichzeitig von einer Atmosphäre des Respekts und der gegenseitigen Unterstützung. Tina und Tom gelingt es durch ihre einfühlsame und gleichzeitig motivierende Art die Jugendlichen aktiv einzubeziehen und ihnen ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt zu vermitteln. Jeder vermeintliche “Fehler” wird als Lernchance betrachtet und die Kinder werden ermutigt sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen.

Diese Doppelstunde zeigt wie “Impro macht Schule” nicht nur Improvisationstechniken vermittelt, sondern auch grundlegende soziale Werte fördert. Durch Spiele wie “Zombie”, das “Stühle-Tauschspiel” und “Nachts im Museum” lernen die Kinder respektvoll miteinander umzugehen, aufeinander zu achten und zusammenzuarbeiten. Dies sind wichtige Fähigkeiten, die weit über das Klassenzimmer hinausgehen und den Kindern helfen sich zu verantwortungsbewussten und emphatischen Mitgliedern unserer Gesellschaft zu entwickeln.

Jahresbegleitung von Impro macht Schule

Auch du hast Interesse an einer Jahresbegleitung an eurer Schule? Dann informiere dich hier: