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Impro trifft Inklusion – unsere Fortbildung zu Neurodiversität im Schulalltag

Neurodiversität im Schulalltag: Wie gehe ich mit einem Kind um, das nicht stillsitzen kann? Was tue ich, wenn jemand den Faden verliert – immer wieder? Und wie erkläre ich dem Rest der Klasse, warum manche Dinge einfach länger dauern? Genau diese Fragen haben wir bei unserer letzten Trainer*innen-Fortbildung mit Mia Rohrbach angepackt.

Eine Expertin, die weiß, wovon sie spricht

Mia Rohrbach ist Zirkuspädagogin, Clownin und Theatermacherin. Sie hat Erzieherin gelernt, Soziale Arbeit studiert und rund 20 Jahre Erfahrung in heilpädagogischen Einrichtungen und inklusiven Projekten gesammelt. Zuletzt war sie als Fachbeauftragte für Inklusion bei einem großen Münchner Träger tätig. Kurz: Sie weiß, wovon sie spricht.

Und sie weiß auch, was sie nicht weiß – nämlich dass es im Bereich Inklusion keine Patentrezepte gibt. Genau das machte sie zur perfekten Gesprächspartnerin für unser Team.

Selbst erleben, was Schüler*innen erleben

Die Fortbildung in der Neuen Bühne Bruck startete mit einem Themenblock, der sich anfühlte wie ein echter Perspektivwechsel – im wahrsten Sinne. Wir schauten uns gemeinsam Krankheitsbilder an, die uns im Schulalltag begegnen: ADHS, ADS, Tourette, Autismus, verschiedene Formen von Neurodiversität.

Aber nicht nur theoretisch. Sondern am eigenen Leib:

Drei von fünfzehn Trainer*innen bekamen Brillen aus Klopapierrollen – Tunnelblick inklusive. Eine Person trug Noise-Cancelling-Kopfhörer. Und dann: ganz normaler Klatschkreis. Ein Warm-Up, wie wir es selbst hundertfach gemacht haben.

Was dabei passierte? Wer die Brille aufhatte, kam einfach nicht so schnell mit. Wer nichts hörte, verlor den Faden. Und wer beobachtete, verstand plötzlich sehr konkret, woher dieses „Der ist so langsam” oder „Die stört immer” bei Kindern eigentlich kommt – und wie wenig es mit Absicht zu tun hat.

Sogar die Ausgrenzung aus der Gruppe war schnell spürbar, obwohl alle sehr wohlwollend versucht hatten, alle mitzunehmen. Wer nichts hören konnte begann schnell zu zweifeln, ob die anderen einen vielleicht sogar auslachen, wenn eine ganze Gruppe lachte und man nicht wusste, wieso. Wer nur eingeschränkt sehen konnte, erkannte oft nicht, warum sich alle zusammengestellt hatten und konnte nicht teilhaben.

Diagnose-Charade: Wenn Grenzen verschwimmen

Besonders eindrücklich war die Diagnose-Charade. Zweier-Teams spielten je ein Krankheitsbild – geheim, in Szene gesetzt, zum Erraten. Was dabei auffiel: Wie schwer es manchmal ist, ein Bild klar abzugrenzen. Weil viele Symptome sich überschneiden. Weil Verhalten selten eindeutig ist. Weil Menschen komplex sind. Eine Erkenntnis, die für die Praxis Gold wert ist.

Das Wissen steckt schon in euch

Der stärkste Moment kam am Schluss. Anhand eines echten Fallbeispiels aus dem Schulalltag – moderiert von Mia – arbeitete das Team gemeinsam: erst zuhören, dann Fragen stellen, dann Lösungsideen entwickeln, dann Feedback von den direkt Betroffenen. Und was sich dabei zeigte: Das Team wusste mehr, als es selbst dachte. Mia machte es nur sichtbar.

Die Struktur mit Moderation und Anleitung, die Mia und hierfür mitgebracht hatte, ist ein tolles Geschenk an die Gruppe, um auch in Zukunft gemeinsam Lösungen für größere Probleme zu finden.

Nun war die Fortbildung von Mia ja ohnehin kein Grundkurs, sondern vielmehr eine wertvolle Brücke zwischen Wissen und unserem Alltag. Dennoch waren wir und unsere Trainerinnen und Trainer überrascht, wie hoch bereits das breite Fachwissen im Team ist. „Schaut, wie viel ihr wisst.” – ein Satz von Mia, der uns bleibt. Wir sind sehr Dankbar für dieses Feedback und für Mias praxisnahe Anwendungen für den Schulalltag.

Was diese Fortbildung uns mitgegeben hat

Inklusion bedeutet nicht, für jedes Kind die perfekte Lösung parat zu haben. Es bedeutet, genau hinzuschauen. Kreativ zu bleiben. Sich gegenseitig zu stützen. Und offen zu sein – für das, was gerade wirklich gebraucht wird.

Klingt irgendwie vertraut, oder? Ja. Das ist auch Improvisation.

Denn flexibel bleiben, spontan reagieren, den anderen gut aussehen lassen, Verantwortung füreinander zu übernehmen und “ja” statt “ja aber” zu sagen, Ein paar goldene Regeln der Improvisation sind goldene Regeln in der Improvisation.

Ein riesiges Dankeschön an Mia Rohrbach für einen Tag, der unser Team bereichert, gestärkt und ein bisschen wachsen lassen hat.