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Impro ist für mich eine glückliche Fügung – Tim Golling über Vertrauen, Wandel und Impro als Beziehungskunst

Tim Golling hat das Improvisationstheater nicht gesucht – es hat ihn gefunden. Was als Schulprojekt in Fürstenfeldbruck begann, wurde zur beruflichen Leidenschaft. Heute verbindet er seine Ausbildung in Sozialer Arbeit mit der Bühne und zeigt Schüler*innen, wie befreiend es ist, man selbst zu sein. Warum Impro für ihn immer auch Beziehungsarbeit ist, wieso Vertrauen dabei alles verändert – und was gute Musik mit neuen Wegen zu tun hat, erzählt Tim in seinem ganz persönlichen Porträt.

Wer bist du und warum Impro?

Ich komme – wie lustigerweise einige Kolleg*innen aus dem Impro-macht-Schule-Team – aus dem Raum Fürstenfeldbruck und bin dort auch zur Schule gegangen. Das ist wichtig, da ich in der Schule meine ersten Improerfahrungen gesammelt habe. Zuerst als kleiner Sechstklässler, der nur mal ausprobieren wollte, was dieses Improvisationstheater eigentlich ist. Dann bei den Großen die ersten Shows mitgespielt. Und später sogar auch die ersten Erfahrungen als Impro-Lehrer gemacht (beim Peer-to-Peer Coaching).

Nach der Schule habe ich mich etwas mehr auf mein Studium der Sozialen Arbeit fokussiert und das Improtheater ein wenig aus den Augen verloren. Hatte dann aber das Glück, dass mich meine Bachelorarbeit 2021, die ich über Improvisationstheater an Schulen schreiben wollte, zu Impro macht Schule geführt hat. Und als ich wieder ein bisschen Zeit im Impro-Kontext verbracht habe, habe ich wieder gemerkt, wie viel Spaß es mir gemacht hat, aber auch was für eine wirkungsvolle pädagogische Methode es ist. Meine Bachelorarbeit hat dann am Ende des Tages nicht mehr viel mit Impro macht Schule zu tun gehabt aber ich war wieder voll am Haken und den habe ich seitdem auch nicht mehr losgelassen.

Was bedeutet Impro für dich – persönlich und im Schulkontext?

Neben den etwas offensichtlicheren Faktoren, wie selbstbewusster aufzutreten und zu sprechen, bedeutet für mich Improvisationstheater man selbst sein, und möglichst loszulassen von Erwartungen und Bildern, die man von sich selbst und dem Gegenüber hat und einfach das was einem in den Sinn kommt zu sagen und darzustellen. Das benötigt eine Menge Mut, ist aber unglaublich befreiend.

Was machst du bei Impro macht Schule – und wie erlebst du deine Arbeit?

Ich glaube das Spannendste, und das ist eigentlich egal ob das ein Wochenkurs, Improschultheatertage oder ein anderes Projekt ist, ist immer den Wandel der Kinder zu bemerken, wenn sie verstehen, sie werden zu nichts gezwungen, haben aber die Möglichkeit ganz neue Dinge auszuprobieren. Und dieses wachsende Vertrauen der Schüler*innen ist immer eine herzerwärmende Angelegenheit. Improvisationstheater ist immer auch pädagogische Beziehungsarbeit. Die Schüler*innen müssen darauf vertrauen können, dass man ihnen auf Augenhöhe begegnet, dass man ihnen keinen Druck macht und ihnen einen sicheren urteilsfreien Raum gewährt. Ansonsten klappt das mit dem Impro wenig bis gar nicht.

Impro ist für mich …

… eine glückliche Fügung, die mir geschenkt wurde, die ich mit dem Rest der Welt teilen will.

Was lernen die Schüler*innen durch Impro – und was du selbst?

Eine schwierige Frage, weil ich glaube, dass jeder ein bisschen etwas anderes lernt. Man lernt viel über sich selbst, was einem Spaß macht, wie man kommunizieren will. Was einem Selbstvertrauen gibt. Und wenn man diese Dinge lernt, dann kann man weiter darauf aufbauen. Improvisieren heißt auch viel Experimentieren und beim Experimentieren ist der Ausgang nie ganz gewiss.

Drei Worte, die deine Impro-Arbeit beschreiben:

Augenhöhe, fordernd, Spaß

Wenn Impro ein Schulfach wäre, würde es wie heißen, was beinhalten und wer unterrichten?

Puh, bei dem Namen muss man sehen, wie kreativ man werden muss, um dafür gut Werbung zu machen. Vielleicht auch gleichzeitig darauf achten, die Thematik nicht zu sehr einzuengen. Der wichtigste Punkt wird aber sein, es nicht wie ein Schulfach anfühlen zu lassen. Es soll nicht um Leistungsdruck, Lehrplan und still sitzen gehen. Sondern um freie Entfaltung, Spaß und Experimente.

Was inspiriert dich (außer Impro)?

Musik ist immer ein guter Weg, um neue Wege zu finden, wenn man in einer Sackgasse steckt. Ist auch ein sehr guter Zugang oft zu den Kindern und Jugendlichen, sich mit ihnen über ihre Musik auszutauschen und das in den Unterricht einfließen zu lassen. Und manchmal, wenn auch sehr selten entdeckt man dabei sogar auch Musik, die man selber noch nicht kannte, die einem aber gefällt.