Improvisation hat Philipp Jescheck gepackt – und nie wieder losgelassen. Als Theatermacher, Vater, Musiker und Impro-Trainer ist er immer auf der Suche nach dem echten Moment. In der Schule begleitet er Kinder und Jugendliche beim Entdecken ihrer eigenen Geschichten – voller Spielfreude, mit echtem Interesse und immer auf Augenhöhe. Warum Impro für ihn ein Möglichkeitsraum ist, wie eine Schulklasse zum Internat mit Geheimgang wurde und wieso Schillers Zitat für ihn aktueller ist denn je, erzählt Philipp in seinem persönlichen Porträt.
Wer bist du und warum Impro?
Ich bin Vater von drei Kindern, verheiratet, Fussballfan, leidenschaftlicher Koch, ich liebe es in der Natur zu sein, besonders in den Bergen und ich liebe Musik und Theater. Ich inszeniere Stücke mit Schauspieler*innen und Menschen, die einfach gerne spielen. Mich hat als Kind schon die Schauspielerei fasziniert, ich glaube es war im Kindergarten, ein Zauberer, das hat bei mir Glücksgefühle ausgelöst. Impro hab ich dann zum ersten Mal in Berlin gesehen und war voll geflasht. Es war Impro-Sport und die Stimmung im Saal war einzigartig. Alles passiert im Moment, jetzt, und nur jetzt, und das schafft eine magische Verbindung. Und macht süchtig.
Was bedeutet Impro für dich – persönlich und im Schulkontext?
Ich glaube, dass wir mit Impro uns selbst und andere besser kennenlernen. „Nur im Spiel ist der Mensch wirklich.“ Stimmt! Schiller hatte recht. Wenn wir uns dort begegnen gibt es auch kein Richtig und kein Falsch, alles ist einfach da. Diese Erfahrung in der Schule zu machen, wo es sehr ums richtig machen geht, habe ich selbst und bei Schüler*innen als sehr befreiend erlebt.
Was machst du bei Impro macht Schule – und wie erlebst du deine Arbeit?
Ich bin in zwei Schulen am Start, mache eine Impro AG nachmittags und bin in zwei Schulkassen mit der tollen Kollegin Tina Münch im Unterricht am Vormittag. Die Arbeit ist fordernd und wunderbar zugleich. Wenn ich an das letzte Schuljahr denke, fallen mir 1000 verschiedene schöne Momente ein. Ein Moment, der mich besonders berührt hat war ein Tag, als wir mit einer Gruppe ein Hörspielaufgenommen haben. Sie hatten eine Geschichte geschrieben und nun war es soweit die Dialoge aufzunehmen. Alle tauchten in die Geschichte ein und improvisierten im Klassenzimmer eine Wohnung, eine geheimnisvolle Autofahrt, ein strenges Internat, einen geheimen Gang mit Goldschatz… Alle waren völlig vertieft ins Spiel.
Impro ist für mich …
…ein Ort, an dem alles sein kann.
Was lernen die Schüler*innen durch Impro – und was du selbst?
Puh, lernen. Ja, ich glaub unbewusst lernt man eine Menge. Vertrauen in sich, die anderen, den Moment, Selbst-Bewusstsein, Teamarbeit, sprachlichen und körperlichen Ausdruck, Selbstwirksamkeit, Ambiguitätstoleranz, Selbst- und Fremdwahrnehmung. Ich lerne das auch alles immer weiter, das hört ja nicht auf, und vielleicht to be prepared not to be prepared.
Drei Worte, die deine Impro-Arbeit beschreiben:
Augenhöhe, Spass, Möglichkeit.
Wenn Impro ein Schulfach wäre, würde es…
… EMWS ( einfach-mal-was-machen ) heißen, ganz viele Spiele beinhalten und von spielfreudigen Menschen unterrichtet werden.
Was inspiriert dich (außer Impro)?
Barbara, meine Kinder, Faberkonzerte, Wanderungen zum Tajakopf, 5 Uhr morgens zum Sonnenaufgang, Skitouren in Bernau, Musikmachen, Yoga, Reisen an Orte aus Geschichten, Kafka, am Strand schlafen, Haus der Kunst, Caféhäuser, mit anderen Menschen im Theater sitzen.

