Was passiert, wenn ein Poetry Slammer die Bühne mit dem Klassenzimmer tauscht? Darryl Kiermeier macht genau das – und schafft dabei Räume, in denen Schüler*innen nicht nur Texte schreiben oder improvisieren, sondern sich selbst entdecken. Mit Humor, Ruhe und viel Gespür für Zwischentöne zeigt er, wie befreiend es ist, einfach mal loszulegen – ohne Plan, aber mit offenen Augen. Warum er Impro als besten Teil des Tages sieht, was ihn an Progression Fantasy begeistert und wie schwerer Schulstress im Spiel leiser werden kann, erzählt er in seinem Porträt.
Wer bist du und warum Impro?
Ich bin 30 Jahre alt, Slam Poet aus München und bin zum Impro tatsächlich auch über Poetry Slam gekommen. Ich habe früher U20-Slam Workshops besucht und da haben wir oft Freeze und andere Improspiele gespielt. Als ich dann später angefangen habe selbst Workshops zu geben, habe ich Impro immer mehr in meine eigene Arbeit mit reingenommen. Was ich, glaube ich, am meisten daran liebe, ist, dass es einem erlaubt einfach voll im Moment zu sein. Es muss keinen großen Plan geben, sondern man fängt einfach an und macht einen Schritt nach dem anderen.
Was bedeutet Impro für dich – persönlich und im Schulkontext?
Für mich persönlich ist es im Spiel oft einfach ein Losschütteln von Stress, Sorgen und Konventionen und stattdessen einfach Spaß im Moment zu haben. Für Schülis ist der wichtigste Punkt für mich, dass sie die Gelegenheit kriegen, sich einmal kennenzulernen, wenn sie nicht die ganze Zeit darüber nachdenken, was das Umfeld vielleicht gerade darüber denkt, was sie gerade machen.
Was machst du bei Impro macht Schule – und wie erlebst du deine Arbeit?
Ich mach Impro (surprise) und Poetry-Slam-Workshops an Schulen. Für mich erlebe ich die Arbeit natürlich als großen Spaß, aber für die Teilnehmenden oft als super wichtigen Ausgleich. Letztes Jahr hatten wir eine Gruppe, mit der wir ein sehr gutes persönliches Level hatten und die uns auch immer kommuniziert haben, wenn es ihnen gerade nicht gut ging. Stress zuhause, mit der Schule, Liebeskummer etc. Und jedes Mal konnten wir über den Verlauf des Kurses beobachten, wie ein bisschen was davon abgefallen ist und sie leichter aus dem Raum gingen, als wie sie rein kamen. Das fand ich sehr schön.
Impro ist für mich …
… wie ich mein Leben leben möchte.
Was lernen die Schüler*innen durch Impro – und was du selbst?
Ich würde sagen, die besten Take-Away, die sich die Schüler*innen mitnehmen können sind: Selbstbewusstsein, sich seines Selbst bewusst sein, Chancen anzunehmen statt auszuschlagen und mit anderen in Interaktion treten. Ich bin immer wieder begeistert davon, welche spannenden Gedanken in den Menschen schlummern mit den ich arbeiten darf. Und dass ich immer wieder überrascht werden kann. Man hat nie alles gesehen, weil jeder Mensch einzigartig ist und damit auch jede Impro-Situation wieder einzigartig wird.
Drei Worte, die deine Impro-Arbeit beschreiben:
Ehrlich, entspannt, zuversichtlich
Wenn Impro ein Schulfach wäre, würde es…
… „How to leben“ heißen, den besten Teil des Tages beinhalten und würde jeden Tag von wem anders unterrichtet werden.
Was inspiriert dich (außer Impro)?
Viel, viel, viel! Ich glaube ich möchte die Gelegenheit aber nutzen, um ein suuuper nischiges Literatur-Genre zu promoten: Progression Fantasy. Kurz: Geschichten bei denen der Fokus auf der Weiterentwicklung der (meist kampfbezogenen) Fähigkeiten des/der Protagonist*in liegt. Es geht aber auch immer sehr viel um Reflexion der eigenen Person, persönliche Entwicklung und darum wie individuell der eigene Pfad im Leben und der Welt ist. Da nehme ich mir tatsächlich oft Sachen für mich selbst raus, die mir in der Entwicklung meiner Arbeit helfen.
