Wer schon einmal bei einem unserer Impro-Schultheater-Tage dabei war kennt das übliche Bild: Klassen aus den unterschiedlichsten Schulen treffen aufeinander, beäugen sich erst neugierig, dann mutig, und am Ende des Tages stehen plötzlich Kinder gemeinsam auf der Bühne, die sich morgens noch kein bisschen kannten. Genau dieses Über-den-Tellerrand-Gucken ist sonst unser Herzstück. Im März war alles ein bisschen anders – und gerade deshalb so spannend.
Diesmal kamen die Klassen nämlich nicht aus halb München zusammen, sondern alle von einer einzigen Schule. Zwei Altersgruppen, die 6. und die 8. Jahrgangsstufe, teilten sich den Tag. Das bedeutete: Die Schüler*innen kannten sich untereinander schon deutlich besser als gewohnt. Der klassische „Wer bist du denn?“-Moment fiel weg. Und wir waren ehrlich gespannt, was passiert, wenn die große Unbekannte plötzlich gar keine Unbekannte mehr ist.
Die Antwort kam schnell – und sie hat uns aufs Schönste bestätigt.
Denn auch wenn man sich kennt, heißt das noch lange nicht, dass man sich wirklich zeigt. Im Schulalltag stecken Kinder und Jugendliche meist in der Masse: fünfundzwanzig, achtundzwanzig, manchmal über dreißig Köpfe in einem Raum. In unseren Kleingruppen passiert etwas anderes. Plötzlich ist Platz. Platz für die leise Idee, die sich sonst nie nach vorne traut. Platz für die Schülerin, die im großen Klassenverband untergeht und in der Fünfergruppe auf einmal aufblüht. Wir haben an diesem Tag wieder einmal erlebt: Die Kleingruppe ist kein netter Zusatz – sie ist der Ort, an dem Persönlichkeitsentwicklung tatsächlich stattfindet.
Und genau das ist unser Fokus. In der kleinen Gruppe trauen sich die jungen Menschen, etwas zu riskieren, Fehler nicht als Drama, sondern als Spielmaterial zu begreifen und sich mit all ihren Ideen und Unsicherheiten zu zeigen. Ob sechste oder achte Klasse, ob schüchtern oder vorlaut: Jede*r durfte an diesem Tag ein Stück über sich hinauswachsen. Das ist kein Nebeneffekt – das ist der Kern dessen, wofür wir morgens aufstehen.
Wie passen Kleingruppen und Förderlogik zusammen?
An dieser Stelle ein ehrliches Wort, auch in Richtung aller, die unsere Arbeit ermöglichen: Kleingruppen stehen oft in einem scheinbaren Widerspruch zur Förderlogik. Wer ein festes Budget hat, möchte verständlicherweise möglichst viele Kinder auf einmal erreichen – große Zahlen, große Wirkung, klingt erst einmal logisch. Doch im Schulkontext ist es gerade umgekehrt: Die wirklich nachhaltige Wirkung entsteht nicht in der Masse, sondern im kleinen Kreis. Weniger Kinder auf einmal, dafür echte Tiefe. Wir sind überzeugt, dass sich dieser Mut zur kleinen Gruppe um ein Vielfaches auszahlt – nur eben nicht in der Breite, sondern in dem, was jedes einzelne Kind für sein Leben mitnimmt.

Dass dieser Tag überhaupt möglich wurde, verdanken wir der Stiftung der GLS Treuhand. Ihre Förderung hat den März-ISST getragen und damit genau den Raum geschaffen, in dem Kinder und Jugendliche in kleinen Gruppen wachsen durften. Dafür sagen wir von Herzen: Danke. Förderung, die auf Tiefe statt allein auf Reichweite setzt, ist alles andere als selbstverständlich – und für die jungen Menschen, die an diesem Tag über sich hinausgewachsen sind, ein echtes Geschenk.
Am Ende des Tages? Strahlende Gesichter, ein paar mutige Bühnenpremieren und die schöne Erkenntnis, dass Wachstum manchmal keine große Bühne braucht – sondern einfach eine kleine Gruppe, in der man sich trauen darf. Wir freuen uns schon auf den nächsten ISST. Und wer weiß: vielleicht wieder mit einer ordentlichen Portion Mut im Gepäck.

